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Windmühlen in Sussex: Eine Tour über Downs und Weald

Der Weg beginnt in einem grünen Tunnel. Wer vom Dorf Halnaker bei Chichester den Hügel hinaufsteigt, wandert zunächst durch einen von Bäumen völlig überwölbten Hohlweg, eines der meistfotografierten Wegstücke Südenglands. Dann öffnet sich die Kuppe, und auf dem kahlen Gipfel steht ein alter Backsteinturm mit weißen Flügeln: die Windmühle von Halnaker, seit Jahrhunderten Landmarke für Bauern und Seeleute gleichermaßen. Sie ist nur der Auftakt, denn kaum eine englische Grafschaft hat so viele historische Windmühlen bewahrt wie Sussex, verteilt über die Kreidehöhen der South Downs und das waldige Hügelland des Weald.

Kreide, Wind und Korn

Dass Sussex zum Mühlenland wurde, liegt an seiner Geographie. Entlang der Küste zieht sich der lange Kreiderücken der South Downs, ein offenes, baumarmes Hochland, über das der Wind beständig vom Ärmelkanal hereinweht. Kreide speichert kaum Oberflächenwasser, Bäche sind rar, und so bauten die Dörfer hier keine Wassermühlen an Flüssen, sondern Windmühlen auf den Höhen. Landeinwärts liegt der Weald, einst ein riesiges Waldgebiet auf Ton und Sandstein; dort setzten die Müller ihre Mühlen auf jede Anhöhe, die über die Baumwipfel ragte. An Nachfrage fehlte es nie: Sussex baute Getreide an, und die rasch wachsenden Küstenstädte, allen voran Brighton, verlangten im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert immer mehr Mehl. Das Ende kam wie überall in England mit Dampfmühlen, Eisenbahnen und billigem Importgetreide gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Bemerkenswert an Sussex ist, wie viel dennoch überlebt hat und mit welcher Hingabe Freiwillige die Mühlen zurück ins Leben geholt haben.

Drei Bauformen, ein Prinzip

Wer in Sussex Mühlen besucht, begegnet drei Bauformen. Die älteste ist die Bockwindmühle, im Englischen post mill genannt: Das gesamte hölzerne Mühlenhaus samt Mahlwerk dreht sich auf einem mächtigen Eichenpfosten, damit die Flügel stets im Wind stehen. Sussex galt als klassisches Land der Bockwindmühlen, und viele der schönsten erhaltenen Exemplare Englands stehen hier. Jünger ist die Turmwindmühle aus Backstein oder Stein, bei der sich nur die Kappe mit den Flügeln dreht. Dazwischen steht der hölzerne Typ, den die Engländer smock mill nennen, weil sein achteckiger, sich verjüngender Turm an den Leinenkittel der Landarbeiter erinnert; auch bei ihm dreht sich allein die Kappe. Alle drei Formen lassen sich auf einer Tour durch Sussex im Original erleben, oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt, und gerade dieser Vergleich macht die Grafschaft für Mühlenfreunde so ergiebig.

Jack und Jill über Clayton

Das berühmteste Mühlenpaar der Grafschaft steht auf dem Kamm der South Downs über dem Dorf Clayton. Jill, eine weiß verschalte Bockwindmühle, wurde 1852 von Brighton hierher geschafft, der Überlieferung nach von Ochsen- und Pferdegespannen über die Downs gezogen. Jack, ein dunkler Backsteinturm, entstand 1866 direkt daneben. Jill ist die zugänglichere der beiden: Von Freiwilligen über Jahre restauriert, dreht sie an sommerlichen Öffnungstagen ihre Flügel und mahlt wieder Mehl, und der Duft frischen Schrots in einer arbeitenden Mühle ist durch kein Foto zu ersetzen. Jack befindet sich in Privatbesitz und wird von außen bewundert. Beide stehen praktisch am South Downs Way, dem Fernwanderweg über den Kreiderücken, sodass Wanderer unmittelbar unter den Flügeln vorbeikommen, mit dem ganzen Weald zu Füßen.

Durch den Weald: Nutley, Oldland und die alten Bockmühlen

Der Weald ist das Revier der hölzernen Veteranen. Am Rand des Ashdown Forest steht die kleine Mühle von Nutley, eine offene Bockwindmühle, deren tragendes Balkenwerk frei sichtbar ist, weil ihr das schützende Rundhaus fehlt. Sie zählt zu den ältesten arbeitsfähigen Mühlen ihrer Art in Großbritannien und wurde im zwanzigsten Jahrhundert von Freiwilligen vor dem Verfall gerettet; an Öffnungstagen drehen sich ihre Flügel wieder vor dem Himmel über dem Forst. Bei Rotherfield wacht die Bockmühle auf dem Argos Hill über den hohen Weald, eine weitere steht in Cross-in-Hand bei Heathfield. Und in Keymer, südlich des Waldlandes, erzählt die Oldland Mill eine der großen Ehrenamtsgeschichten von Sussex: eine ruinöse Bockmühle, über Jahrzehnte geduldig wieder aufgebaut, bis sie erneut Korn mahlen konnte. Es lohnt sich, auf die Details zu achten, den langen Steert, mit dem das Mühlenhaus in den Wind gedreht wird, und die Leiter, die sich dabei mitbewegt. Wer eine dieser Mühlen an einem Arbeitstag erlebt, wenn das ganze Gebälk im Wind knarrt und die Steine mahlen, versteht sofort, warum so viele Menschen ihre Wochenenden für die Restaurierung opfern.

Shipley und Hilaire Belloc

Kein Name ist mit den Mühlen von Sussex enger verbunden als der des Schriftstellers Hilaire Belloc. Der verfallenden Mühle von Halnaker setzte er zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein literarisches Denkmal: In seinem Gedicht über Ha'nacker Mill werden die zerbrochenen Flügel zum Sinnbild eines untergehenden ländlichen England. In Shipley im flachen Weald wurde Belloc dann selbst Mühlenbesitzer: 1906 kaufte er das Haus King's Land, und zum Anwesen gehörte die Windmühle nebenan, eine große smock mill von 1879 mit achteckigem Holzturm und drehbarer Kappe, die größte ihrer Art in Sussex. Belloc lebte in King's Land bis zu seinem Tod im Jahr 1953, und die Mühle wurde ihm zu Ehren restauriert, ein seltener Fall eines Mühlendenkmals für einen Dichter. Fernsehzuschauer kennen sie außerdem aus der britischen Serie Jonathan Creek. Die Öffnungszeiten haben über die Jahre gewechselt, doch schon vom Weg aus ist der Bau eine Erscheinung.

Mühlen mit Meerblick

Auch der Küstenstreifen hat seine Überlebenden. Auf der Klippenwiese von Rottingdean, östlich von Brighton, steht die schwarze Beacon Mill, eine hölzerne Kappenmühle, die Seeleuten im Kanal als Landmarke diente; ein Holzschnitt des Künstlers William Nicholson machte ihre Silhouette später zu einem der bekanntesten Verlagssignete Großbritanniens. In West Blatchington bei Hove wächst eine eigentümliche Mühle direkt aus den Dächern einer Scheunenanlage heraus, ein Anblick, der 1825 sogar John Constable zum Skizzieren brachte; heute beherbergt sie ein Mühlenmuseum. Über Worthing öffnet die restaurierte Bockmühle von High Salvington an Sommernachmittagen, betrieben ausschließlich von Freiwilligen. Weiter östlich übernehmen die Turmmühlen: In Polegate bei Eastbourne ragt ein roter Backsteinturm von 1817 mit Museum auf, und wenig nördlich davon trägt die Mühle von Stone Cross ihre charakteristische Kuppelhaube. Zusammen ergeben diese Küstenmühlen einen eigenen kleinen Rundkurs, der sich gut mit einem Tag am Meer verbinden lässt, von den Kreidefelsen bei Rottingdean bis zu den Stränden von Eastbourne.

Praktische Hinweise für die Tour

Eine Mühlentour durch Sussex will ein wenig geplant sein. Fast alle Mühlen werden ehrenamtlich betreut, geöffnet ist meist nur an Sonntag- und Feiertagnachmittagen zwischen Frühjahr und Herbst. Der beste einzelne Termin ist das National Mills Weekend im Mai, wenn landesweit viele Mühlen gleichzeitig öffnen; die Sussex Mills Group bündelt die Termine der Grafschaft. Wanderer bauen sich einen schönen Tag entlang des South Downs Way, etwa von Clayton über den Kamm Richtung Ditchling Beacon, während Autofahrer im Weald Zeit für schmale Hohlwege einplanen sollten. Ein Fernglas gehört ins Gepäck, denn viele Mühlen zeigen sich schon von weitem auf ihren Höhen, und gerade dieses Suchen am Horizont macht den Reiz einer solchen Tour aus. Und nicht vergessen: Mehrere Mühlen, darunter Jack in Clayton und die Bockmühle von Cross-in-Hand, sind Privatbesitz und werden respektvoll vom öffentlichen Weg aus betrachtet.

Auf der Karte

Alle hier erwähnten Mühlen, von Jills weißer Verschalung über Clayton bis zum Backsteinturm auf dem Halnaker Hill, sind auf unserer interaktiven Karte verzeichnet, zusammen mit Hunderten weiterer Windmühlen in England und auf der ganzen Welt. Wer den Landstrich zwischen Chichester und Eastbourne heranzoomt, kann sich seine eigene Route über die Downs und durch den Weald zusammenstellen und unterwegs von Flügel zu Flügel navigieren. Kaum eine Grafschaft belohnt die Mühlensuche so großzügig wie Sussex.