Windmühlen in Suffolk: Eine Rundreise zu Bockwindmühlen und Turmmühlen
Um das Jahr 1191 ließ Herbert, Dekan von Bury St Edmunds, auf seinem Land bei Haberdon vor den Toren der Stadt eine Windmühle errichten. Abt Samson vom mächtigen Kloster war außer sich – das Mahlen von Korn war ein klösterliches Monopol – und befahl seinen Zimmerleuten, das aufmüpfige Bauwerk niederzureißen. Herbert, so berichtet der Chronist Jocelin von Brakelond, nahm die Mühle lieber selbst auseinander, bevor sie eintrafen. Dieser Streit zählt zu den frühesten schriftlichen Erwähnungen einer Windmühle in ganz England – und er spielte sich in Suffolk ab. Mehr als achthundert Jahre später ist dieser stille Winkel Ostenglands noch immer einer der besten Orte Großbritanniens, um historischen Windmühlen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen.
Eine Grafschaft wie geschaffen für den Wind
Suffolks Geographie erklärt, warum gerade hier. Die Grafschaft ist Ackerland durch und durch: sanft gewellter Geschiebelehm im Landesinneren, leichtere Sandböden zur Küste hin und darüber ein weiter, offener Himmel. In jedem Kirchspiel wuchsen Weizen und Gerste, und überall musste das Korn gemahlen werden. Die Flüsse der Region sind überwiegend klein und träge, sodass Wasserkraft allein die Arbeit niemals leisten konnte – der Wind dagegen, der von der Nordsee her weitgehend ungebremst über das flache Land streicht, stand im Überfluss zur Verfügung. Auf dem Höhepunkt des Müllereigewerbes im neunzehnten Jahrhundert standen Hunderte von Windmühlen in Suffolk, so viele, dass ein Reisender selten keine Flügel in Sichtweite hatte. Die Dampfkraft und später die Walzenmüllerei machten sie innerhalb weniger Generationen überflüssig. Die meisten wurden abgerissen oder dem Verfall überlassen, doch eine bemerkenswerte Handvoll hat überlebt – geduldig restauriert von Grafschaftsverwaltungen, Stiftungen und Generationen von Freiwilligen, die sich schlicht weigerten, die Flügel für immer stillstehen zu lassen.
Die Bockwindmühle auf Suffolker Art
Die Bockwindmühle ist der älteste Windmühlentyp Europas, und Suffolk hat diese Bauform zu einer späten, erstaunlichen Vollendung geführt. Das Prinzip ist verblüffend einfach: Der gesamte hölzerne Mühlenkasten – mit den Mahlgängen und der kompletten Technik – balanciert auf einem einzigen mächtigen Eichenpfosten und lässt sich als Ganzes in den Wind drehen. Bei frühen Mühlen stand das tragende Gerüst frei im Wetter; später umbauten die Müller es mit einem runden Unterbau aus Backstein, der die Hölzer schützte und zugleich als Lagerraum diente. Suffolks Mühlenbauer vergrößerten und verfeinerten den Typ noch, als andere Regionen längst auf Turmmühlen umgestiegen waren. Die klassischen Bockwindmühlen der Grafschaft sind hoch, weiß verschalt und überraschend elegant, mit Rundhäusern von zwei oder gar drei Geschossen und einer Windrose am Treppenaufgang – einem kleinen Windrad nach dem 1745 von Edmund Lee patentierten Prinzip, das jede Drehung des Windes bemerkt und den ganzen Mühlenkasten selbsttätig wieder in den Wind stellt. Der Müller konnte schlafen, während seine Mühle auf sich selbst aufpasste.
Saxtead Green – das Paradestück
Wer nur eine einzige Mühle in Suffolk besichtigen will, sollte nach Saxtead Green fahren, nur eine kurze Strecke von der Burgstadt Framlingham entfernt. Seit dem Mittelalter steht an dieser Stelle eine Mühle, und die heutige – im Laufe ihres Arbeitslebens mehrfach umgebaut, erhöht und verbessert – ist das Lehrbuchbeispiel der späten Suffolker Bockwindmühle: ein strahlend weißer Kasten hoch über einem runden Backsteinsockel, vier Jalousieflügel und die Windrose an der Treppe. Heute wird die Mühle von English Heritage betreut, und ihre Technik ist vollständig erhalten. Wer die steile Treppe in den Mühlenkasten hinaufklettert, findet die großen Zahnräder, die Mahlgänge und die Regler genau so vor, wie ein arbeitender Müller sie kannte – und all das ist darauf ausgelegt, sich als eine Einheit um den zentralen Pfosten unter den eigenen Füßen zu drehen. Kaum ein anderes Bauwerk macht den Erfindungsreichtum vorindustrieller Technik so unmittelbar körperlich erfahrbar: Das ganze Haus, in dem man steht, ist im Grunde ein einziges bewegliches Bauteil.
Framsden, Drinkstone und Stanton
Saxtead hat berühmte Nachbarn. Wenige Kilometer südlich erhebt sich die Bockwindmühle von Framsden auf einem hohen Rundhaus über ihrem Dorf; Enthusiasten widmen ihr seit Jahrzehnten eine hingebungsvolle Restaurierung. Westlich von Bury St Edmunds bietet Drinkstone etwas noch Selteneres: zwei Mühlengenerationen auf einem einzigen Hof. Eine Bockwindmühle, deren älteste Hölzer bis ins siebzehnte Jahrhundert zurückreichen – womit sie zu den ältesten Mühlenbauten der Grafschaft gehört –, steht dort in unmittelbarer Nachbarschaft einer jüngeren, hölzernen Mühle in Achtkantbauweise. Dieses Nebeneinander zeigt anschaulicher als jedes Museum, wie sich die Mühlentechnik an ein und demselben Ort weiterentwickelte. Nahe der Grenze zu Norfolk schließlich ist die Bockwindmühle von Stanton, bekannt als Upthorpe Mill, wieder voll funktionsfähig und mahlt an offenen Tagen Mehl – dann erfüllt das tiefe Rumpeln der Steine den Mühlenkasten, ein Klang, den einst jedes Dorf in Suffolk kannte. Jede dieser Mühlen unterscheidet sich im Detail – Flügelform, Drehwerk, Höhe des Rundhauses –, und gerade der Vergleich ist das halbe Vergnügen dieser Tour.
Backsteintürme: Pakenham, Thelnetham und Woodbridge
Mit den Bockwindmühlen allein ist die Geschichte nicht erzählt. Ab dem späten achtzehnten Jahrhundert bauten Suffolks Müller zunehmend Turmmühlen, bei denen nur die hölzerne Kappe drehbar ist, während der Mühlenkörper als fester Turm aus Backstein steht. Pakenham bei Bury St Edmunds besitzt eine stattliche Turmmühle aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert und wird oft als das einzige Dorf Englands beschrieben, das zugleich eine arbeitende Windmühle und eine arbeitende Wassermühle besitzt – ein Anspruch, den die Dorfbewohner mit berechtigtem Stolz vertreten. In Thelnetham, am Flüsschen Little Ouse an der Grenze zu Norfolk, haben Freiwillige eine kompakte Turmmühle derselben Epoche wieder zum Leben erweckt; sie mahlt Vollkornmehl mit reiner Windkraft. Und in der Marktstadt Woodbridge ragt Buttrum's Mill mit sechs Backsteingeschossen über die Dächer – eine der schönsten Turmmühlen ganz Ostenglands. Wer schon in Woodbridge ist, sollte auch zum Fluss Deben hinuntergehen: Die berühmte Gezeitenmühle dort arbeitet mit Wasser statt mit Wind, vervollständigt aber das Bild einer Stadt, die einst ganz von Naturkräften angetrieben wurde.
Mühlenbauer und Jalousieflügel
Suffolk hat Windmühlen nicht nur genutzt, sondern sie auch konstruiert. Die Mühlenbaufirma Whitmore and Binyon in Wickham Market – die Familie Whitmore errichtete auch Buttrum's Mill – wurde weit über die Grafschaft hinaus berühmt und lieferte Mühlentechnik in alle Welt. Auch eine der großen Erfindungen der Mühlengeschichte ist eng mit der Region verbunden: der Jalousieflügel, im Jahr 1807 vom Ingenieur William Cubitt patentiert, der später jahrelang als Chefingenieur der renommierten Ransomes-Werke in Ipswich tätig war. Statt Segeltuch, das Flügel für Flügel von Hand gerefft werden musste – und zwar bei stillstehender Mühle –, trugen Cubitts Flügel bewegliche Klappen, ähnlich einer Jalousie, die sich über einen Mechanismus in der Flügelwelle alle gleichzeitig verstellen ließen. Zusammen mit der Windrose entstand so eine Maschine, die bei wechselndem Wetter weitgehend für sich selbst sorgte – der stille Höhepunkt von sechs Jahrhunderten technischer Verfeinerung. Die meisten erhaltenen Mühlen Suffolks tragen Jalousieflügel; Cubitts Idee begegnet einem auf dieser Rundreise also praktisch überall.
Die Route planen
Die Mühlen liegen in praktischen Gruppen beieinander. Rund um Framlingham lassen sich Saxtead Green und Framsden bequem an einem einzigen Nachmittag verbinden, mit der Burg als Zugabe. Im Westen liegen Pakenham und Drinkstone nahe Bury St Edmunds, wo die Geschichte von Dekan Herbert einst ihren Anfang nahm; Stanton und Thelnetham folgen eine kurze Fahrt weiter nördlich, Richtung Norfolk. Woodbridge bildet den Ankerpunkt der Küstenetappe, und wer Vollständigkeit liebt, fährt weiter zur hölzernen Entwässerungsmühle von Herringfleet im äußersten Nordosten der Grafschaft, einer Überlebenden jener Marschmühlen, die einst das Tal des Waveney trockenlegten. Zu bedenken ist: Die meisten dieser Mühlen werden von Freiwilligen betreut und öffnen nur an einer begrenzten Zahl von Tagen, typischerweise an Sommerwochenenden und Feiertagen; manche nur wenige Male im Jahr. Das National Mills Weekend im Mai ist der beste Einzeltermin im Kalender – dann öffnen Mühlen in ganz Suffolk und in ganz Großbritannien gleichzeitig ihre Türen. Prüfen Sie die Öffnungszeiten vor der Anreise, tragen Sie festes Schuhwerk für die steilen Treppen und nehmen Sie etwas Bargeld für eine Tüte steingemahlenes Mehl mit.
Auf der Karte
Jede hier erwähnte Mühle – und viele weitere Überlebende in Suffolk, von gekappten Mühlenstümpfen und umgebauten Türmen bis zu den Marschmühlen am Waveney – ist auf unserer interaktiven map verzeichnet. Zoomen Sie auf Ostengland, und allein die Dichte der Mühlenstandorte erzählt ihre eigene Geschichte von Wind, Korn und menschlichem Einfallsreichtum. Stellen Sie damit Ihre eigene Route zusammen – und stehen Sie dann selbst im Kasten einer Bockwindmühle, wenn der Wind in die Flügel greift: Das kann keine Karte der Welt ersetzen.