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Eine Windmühlentour durch das dänische Seeland

Seeland ist die größte Insel des eigentlichen Dänemark, eine flache, fruchtbare Moränenlandschaft, die sich von den Buchenwäldern der Nordküste bis zu den Kreidefelsen von Stevns im Südosten erstreckt. Kopenhagen liegt an ihrem östlichen Rand, doch der größte Teil der Insel ist bis heute Ackerland: offenes, windgepeitschtes Land, auf dem seit der Vorzeit Getreide angebaut wird. Wo Getreide und Wind aufeinandertreffen, folgen Mühlen, und Seelands Silhouette aus Kirchtürmen und Mühlenhauben erzählt die Geschichte einer Insel, die eine Hauptstadt ernährt hat. Diese Tour folgt dieser Geschichte, von Kappenmühlen auf Kopenhagens alten Wallanlagen bis zu stillen Dorfmühlen tief im Landesinneren.

Eine Insel, geformt von Wind und Korn

Seeland war schon immer landwirtschaftliches Kernland. Ihre sanften Hügel und schweren Lehmböden brachten die Gerste, den Roggen und den Weizen hervor, die sowohl die Bauernhaushalte als auch das wachsende Kopenhagen ernährten, und das Mahlen dieses Getreides zu Mehl war über Jahrhunderte eines der wichtigsten Gewerbe der Insel. Zuerst kamen die Wassermühlen, errichtet an den bescheidenen Bächen, die die Moränenlandschaft entwässern, doch fließendes Wasser ist auf einer Insel ohne nennenswerte Flüsse eine begrenzte Ressource. Wind hingegen war überall vorhanden, und ab dem Mittelalter breiteten sich Windmühlen über die dänischen Inseln aus.

Lange Zeit war das Müllereiwesen streng reguliert. Bauern waren verpflichtet, ihr Getreide bei bestimmten privilegierten Mühlen mahlen zu lassen, und der Bau einer neuen Mühle bedurfte der königlichen Genehmigung. Als diese alten Mühlenprivilegien Mitte des neunzehnten Jahrhunderts abgeschafft wurden, folgte ein Bauboom: Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden Hunderte neuer Windmühlen in ganz Dänemark, viele davon auf Seeland. Der Boom war jedoch kurzlebig. Dampfmaschinen und später Elektromotoren sowie industrielle Walzenmühlen machten die Windkraft unwirtschaftlich, und im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts verstummte eine Mühle nach der anderen, brannte ab oder wurde abgerissen. Die Mühlen, die bis heute erhalten sind, verdanken ihr Überleben vor allem engagierten Ehrenamtlichen, örtlichen Mühlengilden und Museen.

Stubbenmühlen und holländische Mühlen

Zwei Haupttypen von Windmühlen prägten die dänische Landschaft. Der ältere ist die Bockwindmühle, auf Dänisch stubmølle genannt, bei der der gesamte hölzerne Mühlenkörper auf einem massiven aufrechten Pfosten ruht und von Hand herumgedreht werden muss, um sich dem Wind zuzuwenden. Bockwindmühlen waren einst auf den dänischen Inseln verbreitet, und eine Handvoll dieser zerbrechlichen, kastenförmigen Bauwerke ist erhalten geblieben, manche an ihrem ursprünglichen Standort im Dorf, andere in Museen wiederaufgebaut.

Der heute vorherrschende Typ ist die holländische Mühle, hollændermølle, im Deutschen der Kappenmühle oder Galerieholländer verwandt. Hier dreht sich nur die Haube mitsamt den Flügeln in den Wind, während der hohe, meist achteckige Rumpf feststeht. Diese aus den Niederlanden übernommene Bauweise ermöglichte weit größere und leistungsfähigere Mühlen. Dänische Kappenmühlen haben einen eigenen, unverwechselbaren Charakter: mit Holzschindeln, Reet oder Schiefer verkleidete Rümpfe, boots- oder zwiebelförmige Hauben und häufig eine Windrose, einen kleinen Hilfsrotor, der die Haube automatisch dreht, sodass der Müller sie nicht mehr von Hand mit der Winde nachführen musste. In Städten wurden Mühlen oft auf hohen Sockeln mit einer außen umlaufenden Galerie gebaut, von der aus der Müller die Flügel über den umliegenden Dächern einstellen konnte.

Die Wallmühlen Kopenhagens

Einige der eindrucksvollsten Windmühlen Seelands stehen nicht auf dem Land, sondern mitten in der Hauptstadt. Kopenhagen war jahrhundertelang eine Festungsstadt, umgeben von Erdwällen und Bastionen, und diese künstlichen Anhöhen boten genau das, was eine Windmühle braucht: Höhe und ungehinderten Wind. Zudem hielten sie die Mehlproduktion sicher innerhalb der Mauern, ein wichtiger Aspekt für eine Garnisonsstadt, die einer Belagerung standhalten können musste.

Der bekannteste erhaltene Bau ist die Mühle auf dem Kastellet, der sternförmigen Zitadelle am Hafen. Auf der Königsbastion steht dort seit dem siebzehnten Jahrhundert eine Windmühle, und die heutige Kappenmühle wurde 1847 errichtet, nachdem eine frühere Mühle zerstört worden war. Mit ihrem schindelverkleideten Rumpf und den vollständig erhaltenen Flügeln, die sich über den roten Kasernengebäuden und grünen Wällen drehen, ist sie eine der letzten Erinnerungen daran, dass einst rings um die Stadt Mühlen die Bastionen krönten. Auf der anderen Seite des Hafens, auf dem Wall von Christianshavn, steht Lille Mølle, ein weiterer alter Wallmühlenstandort. Das Mahlen wurde dort um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert eingestellt, und der Mühlenkörper wurde zu einem bemerkenswerten Privathaus mit erhaltener zeitgenössischer Inneneinrichtung umgebaut; heute gehört es dem Nationalmuseum Dänemarks.

Mühlen im Freilichtmuseum

Nördlich von Kopenhagen, in Kongens Lyngby, liegt Frilandsmuseet, eines der ältesten und größten Freilichtmuseen der Welt, gegründet 1897. Historische ländliche Gebäude aus ganz Dänemark und den ehemaligen dänischen Gebieten wurden hier abgebaut, versetzt und in sorgfältig nachgebildeten Landschaften wiederaufgebaut, und Mühlen bilden einen wichtigen Teil der Sammlung. Besucher können von Gehöften zu Mühlen wandern und Wind- und Wasserkraft in dem landwirtschaftlichen Zusammenhang erleben, für den sie einst errichtet wurden, statt sie als isolierte Denkmäler zu betrachten.

Für alle, die sich für Mühlentechnik interessieren, ist dies das ideale Klassenzimmer. Das Museum bewahrt sowohl Wind- als auch Wassermühlen, und an Betriebstagen lässt sich die Mechanik in Bewegung beobachten, sodass sich das Zusammenspiel von Flügeln, Bremsrad, Getriebe und Mahlsteinen erschließt. Wer an einem Nachmittag sowohl eine Bockwindmühle als auch eine Kappenmühle sieht, versteht den technischen Sprung zwischen beiden Typen auf eine Weise, die kein Buch vermitteln kann.

Hinein in die seeländische Landschaft

Jenseits der Hauptstadt entfaltet sich Seeland für Mühlenliebhaber entlang kleiner Straßen zwischen den Dörfern. Restaurierte Kappenmühlen stehen auf Hügeln und am Dorfrand über die ganze Insel verteilt, viele von örtlichen Mühlengilden gepflegt, die sie an Sommerwochenenden für Besucher öffnen und die Mahlsteine in Gang setzen, wenn der Wind mitspielt. Auch in den Tälern lebt das Erbe der Wassermühlen weiter. Tadre Mølle, eine Wassermühle im grünen Elverdamtal in Mittelseeland, ist als Museum erhalten und erinnert daran, dass Wind und Wasser hier stets Hand in Hand arbeiteten.

Nordseeland fügt der Geschichte ein industrielles Kapitel hinzu. Bei Hellebæk, nahe Helsingør und dem großen Renaissanceschloss Kronborg, trieb Wasserkraft einst Hämmer und Maschinen der Metallverarbeitung an, und die alte Hammermølle-Schmiede steht noch immer inmitten der Teiche und Kanäle, die einst zu ihrer Versorgung angelegt wurden. Wer Mühlen mit der Domstadt Roskilde, den Fischerhäfen der Nordküste oder den Kreidefelsen von Stevns verbindet, macht aus einer Mühlentour schnell eine Tour durch alles, was Seeland sehenswert macht.

Von den Flügeln zu den Turbinen

Keine dänische Mühlengeschichte endet in der Vergangenheit. Dänemark wurde zum Vorreiter moderner Windenergie und baute dabei auf einer ländlichen Windkrafttradition auf, die nie ganz verschwand, und die Verbindung zwischen Alt und Neu ist schon von Kopenhagen aus sichtbar. Vor dem Hafen, in den Gewässern des Öresunds, stehen die Turbinen des Offshore-Windparks Middelgrunden in einem sanften Bogen; als er im Jahr 2000 in Betrieb genommen wurde, gehörte er zu den größten Offshore-Windparks der Welt, mitfinanziert von einer Genossenschaft örtlicher Bürger. Wer bei der Mühle auf dem Kastellet steht und aufs Meer blickt, erfasst mehrere Jahrhunderte Windtechnik in einem einzigen Blick. Kaum ein anderer Ort auf der Welt macht die Kontinuität zwischen dem Handwerk des Müllers und der modernen Windindustrie so anschaulich.

Die Tour planen

Seeland ist kompakt und hervorragend erschlossen, was Mühlentouren leicht macht. Züge verbinden Kopenhagen mit Roskilde, Helsingør und den Marktstädten im Landesinneren, und Dänemarks berühmte Fahrradinfrastruktur lässt sich nutzen, um ländliche Mühlen aus eigener Kraft zu erreichen, wohl die passendste Art, sich zwischen Denkmälern des Windes zu bewegen. Die Entfernungen sind kurz: Der größte Teil der Insel lässt sich von Kopenhagen aus innerhalb ein bis zwei Stunden erreichen.

Vor der Abfahrt lohnt sich ein Blick auf die Öffnungszeiten. Viele Mühlen werden von Ehrenamtlichen betrieben und nur an bestimmten Tagen geöffnet, meist an Sommerwochenenden. Der beste Termin für Mühlenfreunde ist der jährliche dänische Mühlentag im Juni, wenn im ganzen Land die Flügel der Mühlen sich drehen und Ehrenamtliche das Mahlen vorführen und Besucher in sonst verschlossene Dachböden lassen. Wann immer man kommt, sollte man Geduld und Neugier mitbringen: Die Menschen, die diese Maschinen am Leben erhalten, sprechen gerne über sie.

Auf der Karte

Jede hier erwähnte Wind- und Wassermühle sowie zahlreiche weitere auf Seeland und im übrigen Dänemark sind auf unserer interaktiven map verzeichnet. Zoomen Sie auf Kopenhagen, um die Wallmühlen zu finden, folgen Sie der Küste Richtung Norden nach Helsingør oder schweifen Sie ins Ackerland Mittelseelands ab, um zu sehen, wie dicht die Insel mit Mühlenstandorten übersät ist. Wählen Sie einen Cluster, planen Sie eine Route und lassen Sie sich von den Flügeln leiten.