Eine Windmühlentour durch Madeira und Porto Santo
Weit draußen im Atlantik, rund 900 Kilometer vor der Küste Marokkos, erhebt sich der portugiesische Archipel Madeira steil aus dem Meer. Die Hauptinsel ist berühmt für ihre terrassierten Weinberge, die Wanderwege entlang der Levadas und ein subtropisches Klima, doch in den windumtosten Hügeln und am flacheren Horizont der Nachbarinsel Porto Santo stehen verstreut kleine Steinwindmühlen. Es waren nie große Industriebauten. Es waren einfache, zweckmäßige Maschinen, die von bäuerlichen Gemeinschaften errichtet wurden, um Weizen und Mais zu Mehl zu mahlen, und einige stehen heute noch als stille Zeugen einer landwirtschaftlichen Lebensweise, die weitgehend verschwunden ist.
Eine von Wind und Vulkangestein geformte Landschaft
Madeiras Landschaft ist vulkanischen Ursprungs, geprägt von steilen Schluchten und scharfen Bergkämmen, die die Atlantik-Passatwinde mit überraschender Kraft kanalisieren. Porto Santo, die kleinere und flachere der beiden bewohnten Inseln des Archipels, hat nicht die dramatischen Gipfel Madeiras, gleicht dies aber durch offene, trockene Landstriche aus, in denen der Wind weitgehend ungehindert weht. Genau diese Exponiertheit machte Windmühlen besonders auf Porto Santo zu einer sinnvollen Technologie, wo verlässliche Wasserkraft schwerer zu finden war als auf dem bergigen Madeira. Auf der Hauptinsel war Wasser im Hochland so reichlich vorhanden, dass ein ganzes Bewässerungsnetz aus Levadas in die Felsen geschlagen wurde, und viele Mühlen dort liefen mit Wasser statt mit Wind. Windmühlen füllten die Lücken, besonders an trockeneren Hängen und auf der Nebeninsel. Der Gegensatz zwischen den beiden Inseln ist selbst aufschlussreich: Madeiras Überfluss an fließendem Wasser machte aufwendige Wasserbautechnik lohnend, während Porto Santos flacheres, trockeneres Profil eine Technologie belohnte, die sich günstig aus lokalem Stein errichten ließ, überall dort, wo ein Höhenrücken beständigen Wind einfing. Keine der beiden Lösungen war grundsätzlich überlegen, jede passte einfach zu den Mitteln, die das jeweilige Gelände bereithielt.
Die traditionelle Bauweise der Mühlen Madeiras und Porto Santos
Die im Archipel errichteten Mühlen folgen einer eigenständigen lokalen Bautradition und kopieren nicht die Formen des europäischen Festlands. Typischerweise bestehen sie aus einem kleinen, weiß getünchten runden oder leicht konisch zulaufenden Steinturm, gekrönt von einem steilen Kegeldach. Anders als die großen Windmühlen niederländischer Bauart mit fest montierten hölzernen Flügelarmen nahe am Boden sind diese Inselmühlen eher kompakte, menschengerechte Bauten, oft gerade hoch genug, damit ein Müller darin stehen und arbeiten konnte. Die Flügel waren traditionell mit Segeltuch oder Stoff bespannt, das über einen leichten Holzrahmen gespannt war und je nach Windstärke des jeweiligen Tages angepasst oder abgenommen werden konnte. Da atlantische Böen auf diesen Inseln schnell umschlagen und kräftig blasen können, mussten die Flügel einfach zu reffen oder abzunehmen sein, eine praktische Lösung und keine dekorative Verzierung. Die Steintürme selbst waren meist niedrig und gedrungen gebaut, verglichen mit den hohen Backsteinmühlen mancher nordeuropäischer Regionen, eine Form, die den Schwerpunkt tief hielt und half, den häufigen Atlantikstürmen zu widerstehen, die über den Archipel hinwegfegen. Lokale Steinmetze arbeiteten mit dem auf den Inseln reichlich vorhandenen Vulkangestein, und die Tünche, die so viele dieser Türme bedeckt, war ebenso sehr praktischer Witterungsschutz wie ästhetische Entscheidung, sie half, den Stein gegen Schlagregen und Gischt abzudichten.
Getreidemahlen für die Inselgemeinden
Der eigentliche Zweck dieser Windmühlen war landwirtschaftlich: das Mahlen von lokal angebautem Weizen und Mais zu Mehl für Brot, ein Grundnahrungsmittel in der portugiesischen und madeirischen Küche. Anders als die einst dominierende Zuckerrohrindustrie Madeiras, die stark auf wasserbetriebene Mühlen namens Engenhos zum Zermahlen des Rohrs setzte, war das Getreidemahlen eine kleinräumigere, weiter verstreute Tätigkeit, eng verbunden mit einzelnen Höfen und Hangparzellen. Familien oder kleine Gemeinschaften einer Gemeinde verließen sich auf eine nahegelegene Mühle, statt Getreide über weite, schwierige Strecken zu transportieren. Das erklärt zum Teil, warum die Windmühlen der Inseln verstreut liegen statt konzentriert, sie entstanden dort, wo eine Gemeinschaft eine brauchte und der Wind mitspielte. Getreide, das auf Madeiras steilen Terrassenfeldern und Porto Santos offenen Äckern wuchs, wurde selten in großen Überschüssen erzeugt, daher ergab eine Mühle in der Größe einer Gemeinde oder eines Hofverbunds weit mehr Sinn als eine einzige große Anlage für die gesamte Insel, und der Weg vom Feld zur Mühle und zurück in die Küche blieb so selbst auf schwierigem, hügeligem Boden kurz.
Porto Santo als Windmühleninsel des Archipels
Während Madeira für seine Levadas und Wassermühlen bekannt ist, wird Porto Santo eher mit seinen Windmühlen in Verbindung gebracht, die sich vor der flachen, sandigen, sonnengebleichten Landschaft der Insel abheben. Der lange goldene Strand und das trockenere Klima locken die meisten Besucher an, doch die Höhenzüge hinter dem Hauptort und den Dörfern tragen noch immer einige dieser kegelförmigen Türme, manche restauriert, andere als verwitterte Ruinen zurückgelassen. Ihre weiß getünchten Silhouetten vor den vulkanischen Hügeln sind ein wiedererkennbares Merkmal der Insellandschaft, und mehrere wurden im Lauf der Zeit umgebaut, manche verloren ihre Flügel schon vor langer Zeit, während die Steintürme selbst der salzigen Luft weit besser standhielten als jeder hölzerne Mechanismus. Für Reisende, die mit der Fähre oder einem kleinen Flugzeug ankommen, gehören diese Türme oft zu den ersten Spuren traditionellen Insellebens, die schon aus der Ferne sichtbar sind, da sie auf offenem Gelände stehen statt in einem Tal versteckt zu liegen, wie es bei vielen der Wassermühlen Madeiras der Fall ist.
Niedergang im zwanzigsten Jahrhundert
Wie so viele traditionelle Getreidemühlen in Europa gerieten auch die Windmühlen Madeiras und Porto Santos im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts allmählich außer Gebrauch. Industrielles Mahlen, importiertes Mehl und veränderte landwirtschaftliche Muster verringerten den Bedarf an kleinräumigem, lokalem Mahlen. Viele Mühlen verloren ihre Flügel durch Stürme oder schlichte Vernachlässigung, sobald sie nicht mehr gepflegt wurden, sodass heute nackte Steintürme zurückbleiben, die die Landschaft noch immer prägen. Einige wurden bewusst erhalten oder restauriert, mitunter als Kulturdenkmäler oder Aussichtspunkte entlang von Wanderwegen, was Besuchern einen greifbaren Eindruck davon vermittelt, wie diese Gemeinschaften einst ihr eigenes Getreide verarbeiteten, statt sich auf Importe vom portugiesischen Festland oder von weiter her zu verlassen. Diese Entwicklung spiegelt wider, was kleinen Mühlen im ländlichen Europa während derselben Zeit vielerorts widerfuhr, da zentralisierte Produktion und bessere Transportwege lokales Mahlen auf kleinstem Raum wirtschaftlich überflüssig machten, selbst dort, wo sich am zugrunde liegenden Windangebot überhaupt nichts geändert hatte.
Windmühlen im größeren Bild der Landwirtschaft Madeiras
Es lohnt sich, diese Windmühlen in das größere Bild einzuordnen, wie sich Madeira und Porto Santo über Jahrhunderte selbst versorgten. Terrassierung, hier poios genannt, ermöglichte Landwirtschaft an sonst unbrauchbaren Hängen, während das Levada-System knappes Wasser vom feuchteren Norden in den trockeneren Süden der Hauptinsel leitete. Windmühlen waren ein weiteres Element in diesem Werkzeugkasten, das dort eine Nische füllte, wo Wind reichlich vorhanden war und Wasser nicht. Sie stehen neben Wassermühlen, Weinpressen und terrassierten Feldern als sichtbarer Beweis dafür, wie sich ein isolierter vulkanischer Archipel selbst versorgte, bevor Kühlung, importierte Waren und moderne Schifffahrt Selbstversorgung weniger notwendig machten. So betrachtet ist eine Windmühle keine isolierte Kuriosität, sondern ein Teil eines umfassenderen landwirtschaftlichen Systems, das ganz von der Geografie geformt wurde.
Was heute noch zu sehen ist
Reisende, die Madeira und Porto Santo heute erkunden, können diese alten Mühlen noch entdecken, besonders entlang der höheren Wege Porto Santos und in Teilen des östlichen Madeiras, wo der Wind am stärksten weht. Viele sind so unauffällig, dass man leicht an ihnen vorbeigeht, ohne sie zu bemerken, ein kleiner runder Turm auf einem Hügel und kein dramatisches Wahrzeichen. Gerade diese Zurückhaltung macht ihren Reiz aus: Sie belohnen Reisende, die genau auf die bewirtschaftete Landschaft schauen statt nur auf die Postkartenansichten, und bieten einen ruhigeren Gegenpol zu Madeiras berühmten Gärten und Steilküsten.
Auf der Karte
Für einen breiteren Eindruck davon, wie Windmühlen wie diese in die weltweite Geschichte der Windmüllerei passen, lässt sich die interaktive map nach Regionen und Mühlentypen durchsuchen. Sie ist ein nützliches Mittel, um die kompakten Steintürme Madeiras und Porto Santos mit Windmühlentraditionen anderer Küsten und Klimazonen zu vergleichen und zu sehen, wie die Geografie stets prägt, auf welche Weise Menschen den Wind genutzt haben.