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Molen De Adriaan in Haarlem: Die Windmühle, die aus der Asche zurückkehrte

Wer in Haarlem auf der Gravestenenbrug steht und flussabwärts über die Spaarne blickt, sieht sie sofort: die Molen De Adriaan, deren Flügel sich hoch über die Giebeldächer der Stadt erheben. Kaum ein Foto, kaum ein Gemälde von Haarlem kommt ohne diese Silhouette aus. Und doch ist die Mühle, die Besucher heute besteigen, in gewisser Weise viel jünger, als sie wirkt: Das Original brannte 1932 vollständig nieder, und sieben Jahrzehnte lang blieb das Ufer leer. Die Geschichte von De Adriaan ist deshalb eigentlich eine doppelte Geschichte – die eines industriellen Arbeitsgeräts aus dem 18. Jahrhundert und die eines beispiellosen bürgerschaftlichen Kraftakts, ein verlorenes Wahrzeichen zurückzuholen.

Ein Wehrturm als Fundament

De Adriaan steht nicht auf gewöhnlichem Grund. Die Mühle wurde auf dem Goevrouwetoren errichtet, einem Verteidigungsturm, der einst zur mittelalterlichen Stadtbefestigung Haarlems an der Spaarne gehörte. Im 18. Jahrhundert hatten Mauern und Türme ihre militärische Funktion längst verloren; überall in der niederländischen Republik verkauften Städte ihre überflüssig gewordenen Befestigungen oder gaben ihnen neue Aufgaben. Ein massiver steinerner Turm direkt an einer belebten Wasserstraße war für einen Mühlenbauer geradezu ideal: Er hob die Flügel weit über die umliegenden Dächer hinaus in den ungestörten Wind, während der Fluss darunter einen günstigen Transportweg für Rohstoffe und fertige Ware bot. Diese Schichtung von Geschichte – eine industrielle Maschine auf einem Stück mittelalterlicher Militärarchitektur – macht De Adriaan unter den niederländischen Mühlen zu einer Besonderheit. Die meisten ihrer Schwestern stehen auf offenem Polderland oder auf eigens aufgeschütteten Hügeln, nicht auf den Resten einer Stadtmauer.

Adriaan de Booys und das Geschäft mit dem Trass

Der Mann, der das Potenzial des alten Turms erkannte, war Adriaan de Booys, ein Amsterdamer Geschäftsmann, der den Goevrouwetoren 1778 erwarb. Schon 1779 stand seine neue Windmühle darauf, und er gab ihr kurzerhand seinen eigenen Vornamen. Das erste Gewerbe der Mühle war das Mahlen von Trass, einem Zusatzstoff für Mörtel, der aus vulkanischem Tuffstein gewonnen wird. Fein gemahlen und mit Kalk vermischt ergibt Trass einen Mörtel, der sogar unter Wasser aushärtet – in einem Land voller Kaimauern, Schleusen, Brücken und Grachtenwände ein unverzichtbares Material. Die Wahl dieses Produkts sagt viel über die niederländische Wirtschaft jener Zeit: De Adriaan war keine malerische Kornmühle für die Bäcker der Nachbarschaft, sondern ein Stück industrieller Infrastruktur für das Baugewerbe. De Booys hatte im Grunde eine windgetriebene Fabrik an eine der wichtigsten Binnenwasserstraßen Hollands gesetzt.

Vom Tabak zum Getreide

Wie fast jede Arbeitsmühle passte sich De Adriaan dem Markt an. Im frühen 19. Jahrhundert wurde sie zur Tabakmühle umgerüstet: Hier wurden Tabakblätter zu Schnupftabak vermahlen und geschnitten, in einer Zeit, in der die Tabakverarbeitung in den Niederlanden ein bedeutender Wirtschaftszweig war. Später wandte sich die Mühle dem traditionsreichsten aller Müllereigewerbe zu und mahlte Getreide zu Mehl und Schrot. Jede Umstellung bedeutete neue Maschinen, neue Mahlsteine oder Schneidwerke und einen neuen Arbeitsrhythmus – doch die Grundform blieb dieselbe: eine hohe Mühle jenes Typs, den die Niederländer stellingmolen nennen, mit einer hölzernen Galerie, die das Bauwerk hoch über der Straße umläuft. Von dieser Galerie aus setzte der Müller die Segel, drehte die Kappe in den Wind und las das Wetter, während unter ihm die Lastkähne über die Spaarne zogen wie seit Jahrhunderten. Rund anderthalb Jahrhunderte lang verdiente De Adriaan auf diese Weise ihr Brot – ein ganz gewöhnliches Arbeitsgebäude, das zufällig außergewöhnlich schön war.

Die Brandnacht des 23. April 1932

In der Nacht des 23. April 1932 fing De Adriaan Feuer. Windmühlen sind gegen Flammen nahezu wehrlos: Im Kern sind sie hohe Holztürme voller trockener Balken, Fett, Segeltuch und brennbarem Staub, und wenn ein Brand erst einmal um sich greift, ist meist nichts mehr zu retten. Innerhalb weniger Stunden war die Mühle, die mehr als 150 Jahre über der Spaarne gestanden hatte, auf einen schwelenden Stumpf über ihrem alten steinernen Sockel reduziert. Der Verlust traf Haarlem ins Mark. Dies war nicht irgendeine Mühle, sondern das Sinnbild der Stadt, die Silhouette, an der Haarlem sich selbst erkannte. Zeitgenössische Berichte schildern die Bestürzung der Bevölkerung, und beinahe sofort wurden Stimmen laut, die den Wiederaufbau forderten. Bemerkenswert schnell wurde zu diesem Zweck Geld gesammelt – ein deutliches Zeichen dafür, wie tief der Verlust empfunden wurde.

Siebzig Jahre leerer Himmel

Doch die guten Absichten kollidierten mit einer denkbar ungünstigen Zeit. Die 1930er-Jahre brachten die Weltwirtschaftskrise, die 1940er-Jahre Krieg und Besatzung. Geld, das eine Windmühle hätte wiedererstehen lassen können, wurde für Dringenderes gebraucht, und in den Nachkriegsjahrzehnten war das ganze Land mit dem Wiederaufbau im großen Maßstab beschäftigt. Die Idee aber starb nie. Komitees gründeten sich, Pläne wurden gezeichnet, Mittel gesammelt, und der alte Sockel an der Spaarne blieb stehen – eine sichtbare Mahnung an die fehlende Silhouette. Ganze Generationen von Haarlemern wuchsen auf und kannten die Mühle nur von Fotografien und Gemälden, was die Sehnsucht nach ihrer Rückkehr eher verstärkte als schwächte. Es ist ein bemerkenswertes Lehrstück darüber, wie lange eine Stadtgemeinschaft an einem verschwundenen Wahrzeichen festhalten kann. In vielen Städten wäre eine abgebrannte Industrieanlage schlicht abgeräumt und vergessen worden. In Haarlem wurde die Lücke im Stadtbild selbst Teil der lokalen Identität – etwas, das wieder in Ordnung gebracht werden musste.

Wiedergeburt an der Spaarne

Um die Jahrtausendwende hatte die Kampagne endlich Erfolg. Auf Grundlage historischer Dokumentation rekonstruierten Handwerker die Mühle an ihrem ursprünglichen Standort, und am 23. April 2002 – auf den Tag genau siebzig Jahre nach dem Brand – wurde De Adriaan feierlich wiedereröffnet. Das Datum war kein Zufall: Der Jahrestag machte die Eröffnung zu einem symbolischen Akt der Heilung, der eine sieben Jahrzehnte lang offene Wunde schloss. Die wiederaufgebaute Mühle ist eine getreue Nachschöpfung ihrer Vorgängerin, eine hohe Galeriemühle, deren Flügel sich wieder über dem Fluss drehen. Puristen wenden bisweilen ein, es handle sich um eine Rekonstruktion und nicht um ein erhaltenes Original – doch das verfehlt den Kern dieser Geschichte. Viele Länder bewahren alte Mühlen; nur sehr wenige Gemeinschaften haben eine nach siebzig Jahren aus reiner Beharrlichkeit zurück ins Leben gerufen. Die neue De Adriaan ist nicht nur ein Denkmal der niederländischen Müllerei, sondern auch der bürgerlichen Hartnäckigkeit in ihrer schönsten Form.

Ein Besuch heute

Heute ist De Adriaan ein Museum – und gerade wegen ihrer städtischen Lage einer der lohnendsten Mühlenbesuche der Niederlande. Führungen bringen die Besucher durch das Innere der Mühle, vorbei an Ausstellungen zur Windmühlentechnik und zur Geschichte dieses besonderen Ortes, hinaus auf die Galerie, die das Bauwerk umringt. Dort oben wartet die Belohnung: ein Panorama über Haarlem, mit der Spaarne, die sich unten durch die Stadt windet, der großen Kirche in der Ferne und den Dächern, über die die Flügel – mit einer langen Unterbrechung – seit dem 18. Jahrhundert hinwegblicken. Wenn Wind und Wetter es zulassen, drehen sich die Flügel, und die Mühle führt das Handwerk vor, für das sie gebaut wurde. Nur an wenigen Orten spürt man so unmittelbar, wie eng die Windkraft mit dem niederländischen Stadtleben verflochten war – nicht draußen auf dem Land, sondern mitten im Herzen einer arbeitenden Stadt.

Auf der Karte

De Adriaan ist nur ein Fixpunkt in der außergewöhnlichen Mühlenlandschaft, die die Niederlande und weite Teile der Welt bis heute prägt – von Entwässerungsmühlen im Polder bis zu städtischen Industriegiganten wie dieser. Auf unserer interaktiven Karte finden Sie ihren genauen Standort an der Spaarne, entdecken weitere historische Mühlen in und um Haarlem und können eine ganze Mühlenroute durch Holland planen. Zoomen Sie in die Stadt hinein, folgen Sie dem Fluss – und zählen Sie, wie viele Flügelkreuze Sie entdecken.